Kevin Dierner

Zähneknirschen – Bruxismus

 

Das Zähneknirschen, im Fachjargon Bruxismus genannt ist ein weitverbreitetes Phänomen. Millionen Menschen leiden in Deutschland an den Folgen, die Ursachen sind oft schwer zu greifen.

Zähneknirschen erfolgt meist unbewußt

In den meisten Fällen passiert das Knirschen unbewußt, v.a. im Schlaf oder in einer Konzentrationsphase. Dementsprechend läßt es sich nicht auf Befehl abstellen. Das zentrale Nervensystem versucht dabei Stress und Spannungen über die Kaumuskulatur abzubauen. Es kommt zu andauerndem Beißen, Reiben oder Knirschen der Zähne. Als direkte Folge können die Zähne selbst betroffen sein, es kann zum Abrieb der Zahnsubstanz und anderen Schäden kommen. Hierfür ist der Zahnarzt der richtige Ansprechpartner.

Unterschiedliche Folgen sind möglich

Allerdings beobachte ich immer wieder eine ganze Reihe von anderen körperlichen Symptomen, die häufig in diesem Zusammenhang auftreten können:

  • Schmerzen in der Kaumuskulatur und dem Schläfenmuskel (musculus temporalis)

  • Schmerzen im Kiefergelenke

  • Ausstrahlung der Schmerzen ins Gesicht, das Ohr, den Nacken oder die Halswirbelsäule

  • Kopfschmerzen, Migräne

  • Tinnitus

  • Schwindel

Weiterhin berichteten Betroffene auch von psychischen Belastungszuständen, die begleitend auftreten können:

  • Stress und Anspannung im beruflichen oder privaten Umfeld

  • große Veränderung im Leben, zB Trennung vom Partner, Verlust des Arbeitsplatzes, Umzug

  • familiäre Sorgen, die nicht gelöst werden können

  • der Mensch möchte sich verändern, hat aber noch nicht den Mut oder die Möglichkeit dazu

  • Erschöpfungszustände bis hin zum Burnout-Syndrom

  • psychische Vorerkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände

In manchen Fällen werden die Symptome durch das Knirschen ausgelöst, in anderen verschafft sich der Körper vielleicht dadurch einfach nur Gehör (im wahrsten Sinne des Wortes).

Die Faszie als Bindeglied

Nach meinen Erfahrungen spielt die Faszie häufig eine entscheidende Rolle. Sie gilt als Bindeglied zwischen Körper und Psyche. Somit ist für mich in der Praxis meist der erste Schritt, die Faszie zu lösen und zu lockern, denn sie überträgt die anfallenden Spannungen auf die umliegenden Gewebe. Ist die Faszie frei beweglich und frei von Verklebungen, so sollten auch die Ausstrahlungen nachlassen. Begleiterscheinungen wie Tinnitus oder Migräne könnten reduziert werden. Meine Praxiserfahrung zeigt, daß an diesem Punkt das Arbeiten am Stressabbau viel einfacher wird, da der Druck für den Menschen sowohl körperlich als auch psychisch nachläßt.

Die Therapie kann also nicht nach einem festgelegten Schema ablaufen. Von zentraler Wichtigkeit erscheint mir, daß der Mensch bereit ist, die Ursachen mit aller Konsequenz anzugehen.

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